Heidelberg, 2011

„Die Zukunft der deutschen Juristenausbildung – Alternativen zu Bologna“ – unter diesem Motto trafen sich vom 17. – 19. Juni 2011 Studierende von 14 rechtswissenschaftlichen Fakultäten aus ganz Deutschland in Heidelberg. Die Fachschaften hatten bereits im November 2009 auf ihrer Bundestagung in Leipzig die bundesweite Einführung von Bachelor/Master Abschlüssen für das Jurastudium einheitlich abgelehnt. Dies sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die juristische Ausbildung auch in ihrer derzeitigen nicht frei von Mängeln ist. Um auf die Missstände der juristischen Ausbildung hinzuweisen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln formulierten die Studierenden bundesweite Forderungen.

So wird angeregt, das erste juristische Staatsexamen bundesweit zu vereinheitlichen um eine besserer Vergleichbarkeit des Abschlusses zu schaffen. Dabei sollen die Anforderungen vereinheitlicht werden und einheitliche Klausuren angeboten werden, soweit dies die jeweiligen landesrechtlichen Vorgaben zulassen. Weiterhin empfehlen die Studierenden, Absolventen des ersten Staatsexamens einen Titel (zum Beispiel „Diplomjurist“) zu verleihen. Diese Praxis entspricht bereits an vielen deutschen Fakultäten der Realität und trägt maßgeblich dazu bei, sowohl die juristische Ausbildung als auch den juristischen Arbeitsmarkt zu flexibilisieren.

Gerade um den gestiegenen Anforderungen der juristischen Berufe gerecht zu werden wird angeregt, die Ausbildung an den Fakultäten stärker an den Bedürfnissen der Praxis zu orientieren. Hierzu wird insbesondere das Angebot von Verhandlungssimulationen („moot courts“), anwaltsorientierten Klausuren sowie eine bundesweite Vereinheitlichung der Anforderungen an Praktika angeregt.

Zur Finanzierung dieser Forderungen spricht sich die Bundesfachschaftentagung klar gegen die Erhebung von Studiengebühren in der Form aus, wie sie derzeit noch in drei Bundesländern erhoben werden. Sie fordert, die juristische Lehre zunächst auf ein solides Fundament aus Landesmitteln zu stellen. Sowohl die Erhebung von Gebühren als auch der Einsatz von Drittmitteln sollen in Zukunft einzig zur Erweiterung des Ausbildungsangebots eingesetzt werden.

Um die Interessen der Jurastudenten auch dauerhaft auf Bundesebene vertreten zu können wurde beschlossen, einen „Bundesverband rechtswissenschaftlicher Fachschaften“ (BRF) zu gründen. Zu diesem Zweck wählten die Delegierten aus ihrer Mitte eine fünfköpfige Kommission, die ihre Ergebnisse auf der Bundesfachschaftentagung 2012 vorlegen wird. Die Ergebnisse der diesjährigen Tagung werden zudem von einer Heidelberger Delegation auf dem diesjährigen Deutschen Juristen-Fakultätentag präsentiert.

Robert Reifeld und Andreas Tangl
Fachschaft Jura Heidelberg

Die gefassten Beschlüsse sind hier abrufbar.